🚨 Die Kernbotschaft
Schramberg durchlebt die schwerste Finanzkrise der jüngeren Geschichte. Es handelt sich nicht um eine konjunkturelle Delle, sondern um ein strukturelles Problem: Die Einnahmen sinken, die Pflichtaufgaben steigen, die Rücklagen sind aufgebraucht.
Kämmerer Rudi Walter im Januar 2026: „Wir sind an einem Punkt, an dem die Finanzmittel aufgebraucht sind."
(NRWZ)
📊 Haushalt 2026 — Die harten Zahlen
| Kennzahl | 2023 | 2025 | 2026 | Trend |
| Gewerbesteuer |
31,4 Mio. € |
17,3 Mio. € |
16,6 Mio. € |
📉 -47% |
| Einkommensteuer |
— |
13,7 Mio. € |
14,4 Mio. € |
📈 +5% |
| Steuern gesamt |
— |
39,4 Mio. € |
40,2 Mio. € |
➡️ stabil |
| Personalkosten |
— |
23,6 Mio. € |
23,8 Mio. € |
➡️ steigend |
| Erträge gesamt |
— |
— |
75,3 Mio. € |
— |
| Defizit |
— |
— |
-48.000 €* |
knapp ausgeglichen |
| Neukredite |
— |
— |
9,0 Mio. € |
⬆️ massiv |
| Schuldenstand |
— |
— |
12,5 Mio. € |
⬆️ stark steigend |
| Pro-Kopf-Verschuldung |
— |
— |
2.095 € |
70% über Ø BW |
| Kassenkredite |
— |
— |
14,0 Mio. € |
Maximum erreicht |
| Investitionen |
— |
— |
13,9 Mio. € |
davon 6,6 Mio. Förderung |
* Das Defizit wurde durch eine globale Minderausgabe beim Personal von 1 Mio. € „ausgeglichen" — ein Haushaltsrisiko, falls die Stellenbesetzung so bleibt.
💸 Wohin sind 34 Millionen Rücklagen verschwunden?
CDU-Fraktionsvorsitzender Thomas Brantner in seiner Haushaltsrede Januar 2026:
„So schlimm war es in den 25 Jahren noch nie."
Die Fakten: Schramberg hatte 34 Millionen Euro Rücklagen — die sind innerhalb von zwei Jahren aufgebraucht. Der Gewerbesteuer-Einbruch von 31,4 Mio. (2023) auf 16,6 Mio. (2026) reißt ein Loch, das durch das Konsolidierungspaket von nur 700.000 €/Jahr nicht annähernd geschlossen werden kann.
🔍 Rechberg-Bewertung: Das Konsolidierungspaket ist Symbolpolitik. 700.000 € bei einem strukturellen Defizit im Millionenbereich ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Hundesteuer-Debatten (132 vs. 120 €) und Theaterring-Zuschüsse lenken von der eigentlichen Frage ab: Wie finanziert Schramberg 90+ Mio. € Investitionen?
🗣️ Was die Fraktionen sagen — Haushaltsreden Januar 2026
CDU (Thomas Brantner)
- Beklagt „Lethargie und Mutlosigkeit" der Verwaltung
- Kritisiert verschleppte Projekte (Schulcampus, Gymnasium, Villa Junghans)
- Stellt Gewerbesteuer-Prognosen des Kämmerers infrage
- Wirft vor, dass Unterlagen zu spät kommen: „Eine Vorbereitung entfällt so."
SPD-Buntspecht (Tanja Witkowski)
- Kritisiert Abschaffung des 1-Euro-Tickets als sozialpolitischen Rückschritt
- Beklagt mangelhafte Kommunikation der Verwaltung
- Fordert Wiedereinführung bei Haushaltserholung (+750.000 € reichen für 5 Jahre)
Freie Neue Liste / FNL (Lothar Neudeck)
- Spricht von „Gutachteritis" und fehlender Führung der OB
- Ralf Rückert (FNL) warnt: Karl-Diehl-Halle ist für 5-zügige Schule zu klein
CDU (Jürgen Winter, Senior)
- „So schlimm war es in den 25 Jahren, die ich dabei bin, noch nie."
🔍 Rechberg-Bewertung: Drei von vier Fraktionen haben in ihren Haushaltsreden das Vertrauen in die Verwaltungsführung infrage gestellt. Das ist kein Einzelton — das ist ein breiter Vertrauensverlust, der die Entscheidungsfindung lähmt.
📋 Konsolidierungsmaßnahmen — Was wurde beschlossen?
Haushaltssperren 2025
- Juni 2025: Erste haushaltswirtschaftliche Sperre — 25% Budgetkürzung (Gemeinderatsbeschluss 05.06.2025, 4 Enthaltungen, 4 Gegenstimmen)
- Oktober 2025: Sperre ausgeweitet um weitere 10% (Beschluss 23.10.2025)
Konsolidierungspaket (beschlossen Oktober 2025)
Entlastung: ca. 700.000 € jährlich — bei 3 Gegenstimmen
- Hundesteuer ⬆️, Vergnügungssteuer ⬆️, Zweitwohnungssteuer ⬆️
- Verwaltungsgebühren neu kalkuliert
- Museen + Badschnass: Eintrittspreise erhöht
- Hallenbad: 6 € Vollzahler, 330 € Jahreskarte; Rentnerermäßigung gestrichen
- Vereinszuschüsse: -25%
- 1-Euro-Ticket: eingestellt zum 31.12.2025
Sitzungshistorie
Chronologie der Finanzbeschlüsse 2025/2026
- 05.06.2025: Haushaltswirtschaftliche Sperre (4 Enthaltungen, 4 Gegenstimmen)
- 10.07.2025: Konsolidierung 1. Paket — grundsätzliche Zustimmung
- 23.10.2025: Konsolidierung beschlossen (3 Gegenstimmen), Sperre ausgeweitet +10%
- 23.10.2025: Nachtragshaushalt 2025 beschlossen (1 Enthaltung, 2 Gegenstimmen)
- 20.11.2025: Haushalt 2026 eingebracht (2 Gegenstimmen, 1 Enthaltung)
- 11.12.2025: Haushalt 2026 festgestellt
- 29.01.2026: Haushalt 2026 endgültig beschlossen (3 Gegenstimmen)
🔮 Ausblick — Was kommt auf uns zu?
Investitionsstau: 90+ Mio. €
| Projekt | Geschätzte Kosten | Status |
| Schulcampus | 50–60 Mio. € | Planung gestoppt |
| Gymnasium Sanierung | ~20 Mio. € | In Planung |
| H.A.U.-Gewerbepark | ~10 Mio. € | Neu aufgetaucht |
| Kläranlage gesamt | ~5 Mio. € | Teilweise vergeben |
| Feuerwehrgerätehäuser | mehrere Mio. € | Priorisierung läuft |
| Sport-/Festhalle TB | unklar | Bebauungsplan durch |
Hoffnungsschimmer
- Bundesförderung: 12,7 Mio. € über 12 Jahre aus Sondervermögen (nur für Investitionen)
- Schulbauförderung: Neue Richtlinien des Landes könnten mehr Geld bringen
- Baupreise sinken: Die Kläranlage wurde 28% günstiger vergeben als kalkuliert
🔍 Rechberg-Fazit: Ohne klare Priorisierung, massive externe Förderung und mutige Strukturentscheidungen wird Schramberg in 2–3 Jahren eine Stadt sein, die sich ihre eigene Zukunft nicht mehr leisten kann. Der Kämmerer rechnet mit 50% mehr Gewerbesteuer in den Folgejahren — bei dieser Konjunktur ein sehr optimistischer Ansatz.
⚠️ Hinweis: Diese Analyse basiert auf öffentlich zugänglichen Haushaltsdaten, Sitzungsprotokollen und Medienberichten. Bei wichtigen Entscheidungen immer offizielle Quellen der
Stadt Schramberg konsultieren.